MAIN

REVIEWS

Intern



 Valid HTML 4.01 Transitional

 Valid CSS!

 [Valid RSS]

Blood & Bones
Story

1923 flieht der Koreaner Shunpei Kim mit vielen anderen auf einem völlig überfüllten Flüchtlingsboot aus seiner, seit 1910 von Japan besetzten, Heimat nach Osaka, um sich dort ein neues, besseres Leben aufzubauen.
Doch werden die koreanischen Einwanderer in Japan nicht gerade herzlich begrüßt und genießen unter der einheimischen Bevölkerung kein großes Ansehen. Sie leben in einem eigenen, eher ärmlichen, Stadtviertel unter sich und auch in der Schule werden die Kinder streng geteilt.
Dennoch gelingt es dem rücksichtslosen Shunpei eine eigene kleine Fischfabrik aufzubauen, in der er nicht nur seine Arbeiter für einen Hungerlohn schuften lässt, sondern auch seine eigene Familie.
Nur auf den eigenen Vorteil und das eigene Wohlbefinden bedacht tyrannisiert Shunpei alles und jeden in seiner Umgebung und schafft es damit vom armen Einwanderer bis zum vermögenden Despoten, der von seinen Kreditgeschäften lebt.
Dass er dabei das Leben seiner Familie und aller Menschen um ihn herum in Elend reißt, stört ihn scheinbar wenig. Doch am ende muss er lernen das alles irgendwann auf einen selbst zurückfällt.

Meinung

„Das Blut erbt man von seiner Mutter, die Knochen von seinem Vater.“, besagt eine alte koreanische Weisheit. Man wird das, was man von seinen Eltern mitbekommt.
Mit seinem Film „Blood & Bones“, nach einem autobiografischen Roman, versucht Regisseur Yoichi Sai unter anderem genau dem nachzugehen.
Über 61 Jahre (von 1923 bis 1984) erzählt er die Geschichte des Tyrannen Shunpei Kim und seiner Familie. Einem Menschen der besessen ist von Sex und Geld und von beidem nicht genug bekommen kann. Einem Menschen der keinen Widerspruch duldet und bei dem alles nach seinem Willen geschehen muss. Für den alle anderen nur da sind, um unter ihrer Zuhilfenahme das eigene Wohlbefinden zu steigern und die eigenen Ziele zu erreichen.
Doch ganz so eindimensional und blass soll die Rolle des Shunpei dann doch nicht geraten. Hin und wieder schenkt ihm Regisseur Sai auch Momente, in denen man sich nicht ganz sicher sein kann, was ihn gerade antreibt.
So nimmt sich Shunpei zwar gleich die nächste Frau, als seine bisherige Geliebte nach einem Hirntumor schwer behindert ist, doch behält er sie zu Hause und lässt sie dort pflegen. Als er sie dann schlussendlich erstickt weis man nicht wirklich genau ob er es nun einfach nur getan hat um sie loszuwerden, oder ob nicht doch auch wenigstens ein bisschen der Gedanke sie „zu erlösen“ eine Rolle spielt.
Auch als er auf der Beerdigung seiner Tochter auftaucht und diese von ihrem Mann zurückfordert, kann ich mich nicht wirklich entscheiden ob er das nun aus Trauer um sie tut oder einfach nur weil es gegen seinen Willen war das sie stirbt und er das deswegen nicht hinnehmen kann.
Genial gespielt wird dieser, für mich auch widersprüchliche, Mann von Takeshi „Beat“ Kitano, der denke ich jedem Asia-Kino Fan ein Begriff sein sollte. Wie immer gibt Kitano auch hier den undurchsichtigen, die meiste Zeit gefühlkalten und wortkargen „Lone Wolf“. Eine Rolle, nein DIE Rolle, die ihm wie auf den Leib geschneidert ist.
Umso intensiver ist es dafür wenn dann doch einmal ein paar Gefühle aus ihm herausbrechen, was sich auch immer recht explosiv gestaltet. Meistens ist es dann auch einfach nur Hass und Wut. Selten sieht man ihn auch mal fröhlich, wie bei der Geburt eines Sohnes. Meist hat Shunpei nichts zu lachen und sorgt dafür, dass auch andere nichts zu lachen haben.
So zerstört er mit der Zeit auch ein Leben nach dem anderen.
Seine erste Frau schlägt und Vergewaltigter er wie es ihm passt und als er keine Lust mehr auf sie hat, nimmt er sich einfach eine japanische Kriegswitwe als Geliebte. Selbst als seine Frau letztendlich schwer an Krebs erkrankt ist er nicht bereit für ihre Behandlung zu zahlen.
Mit seinen Söhnen gerät er in Streit, bis sich schließlich beide von ihm lossagen und der Familie den Rücken kehren. Seine Tochter heiratet einfach den erst besten den sie kriegen kann, um ihrem Vater zu entkommen und als sie schließlich erkennt das ihr neuer Mann nicht besser ist und sie regelmäßig verprügelt, erhängt sie sich.
So erzählt der Film Stück für Stück die Zersetzung und Zerstörung einer ganzen Familie, und am Ende wird auch der inzwischen gealterte und kranke Shunpei von seiner letzten Geliebten mit ihren Kind und Kegel verlassen und bleibt allein in seinem Haus zurück.
Dabei fordert der Film allerdings viel Aufmerksamkeit und Vorwissen von seinem Zuschauer, denn 144 Minuten sind nicht gerade viel Zeit um 61 Jahren abzuhandeln und dementsprechend gestrafft und in flottem Tempo wird die Geschichte dann auch erzählt.
Da bleibt keine Zeit geschichtliche Hintergründe wie die japanische Besetzung Koreas von 1910 bis 1945, die koreanische Studentenrevolte von 1929 oder den Krieg mit China näher zu erläutern. Genau sowenig wie das gespannte Verhältnis der Japaner zu ihren asiatischen Nachbarn und besonders gegenüber Einwanderern.
Über die Zeiten in denen der Film spielt wird zumindest ein gewisses Grundwissen vorausgesetzt, will man so manche Geschehnisse verstehen können, wie den Anschlag der Jungen auf die Polizeistation, die Abschiedszene am Bahnhof oder die gespannten Verhältnisse in der Schule.
Aber auch die Familiengeschichte an sich wird zum Teil sehr knapp abgehandelt und unterliegt auch immer mal wieder größeren Sprüngen. Wenn man hier einmal nicht genau aufpasst kann man leicht den Anschluss verlieren und auch auf kleinste Gesten und Blicke sollte geachtet werden. Allein die Hochzeit von Shunpeis Bruder ist hier ein Musterbeispiel. Die Blicke die zwischen dem Bruder, dessen Frau und der Frau von Shunpei ausgetauscht werden beinhalten das fundamentale Wissen über deren Beziehungsgeflecht, dass für den restlichen Film gebraucht wird und für das keine Zeit blieb es dem Zuschauer in umständlichen Dialogen vorzukauen.
In diesem Sinne hält sich der Film mehr an die Realität als an die typischen Filmregeln.
Generell sind viele Szenen in „Blood & Bones“ erschreckend realistisch gehalten, was besonders die Gewalt innerhalb der Familie sehr „fühlbar“ macht.
Schon in den ersten Szenen des Films, als Shunpei spät Abends heim kommt und seine Frau voller Furcht im Schlafzimmer darauf wartet was gleich passieren wird, sind ziemlich krass, vor allem auch dank dem guten Schauspiel. (das Gesicht der Frau spiegelt echten Terror wieder)
Die härteste Szene war für mich allerdings die zwischen Shunpeis Tochter und ihrem Mann. Wie sich hier die Gewalt in ein paar Sekunden aufschaukelt ist wirklich beängstigend.
Allerdings muss man auch sagen, dass längst nicht alle Szenen so gut gelungen sind. Die große Keilerei auf der Beerdigung der Tochter hat zum Beispiel etwas grotesk komisches das für meinen Geschmack nicht wirklich zum Film passen will.
Generell wird die eigentlich sehr bedrückende Stimmung immer wieder von all zu groben Storysprüngen oder irgendwie unpassenden Szenen kaputt gemacht. Wenn ich ganz ehrlich bin hat mich „Blood & Bones“ am Ende im Großen und Ganzen doch oftmals kalt gelassen. Trotz vieler auch sehr intensiver Szenen und einem sehr um die Atmosphäre bemühten klassischen Soundtrack. Auch die Bilder hab ich meist als eher unterkühlt empfunden, auch wenn im „Making of“ sehr darauf gepocht wird das man selbige extra sehr intensiv und Farbreich gestaltet hat. Da hat sich bei mir ein anderer Eindruck eingeprägt.
Wenn ich da im Vergleich an so manches Familienepos von z.B. Zhang Yimou denke, denen gelingt es wirklich einen auch emotional mitzureißen.
Aber vielleicht sind die Bilder ja auch bewusst passend zum kalten Herzen Shunpeis gewählt.

So kann ich mich am Ende nicht wirklich der Meinung anschließen, dass „Blood & Bones“ einer der „besten japanischen Filme der Neuzeit“ ist. Sicher der Film ist schon gut, aber keinesfalls so gut. Eher durchschnittlich gut.
Für ein Meisterwerk ist er mir persönlich dann doch zu sperrig und holprig und etwas zu nüchtern für das selbst gewählte Thema eines Dramas.
Und was nun den zu beginn angesprochenen Gedanken der Vererbung von Blut und Knochen angeht, in einer Szene sagt eine der Töchter Shunpeis zu einem seiner Söhne sinngemäß „du bist schon wie Vater“, was von diesem dann nicht beantwortet wird.
Ganz würde ich mich dieser Aussage nicht anschließen, aber kalt ist in der Tat auch er geworden. Sowohl gegenüber seiner Schwester, als auch später gegenüber seinem Vater.
Und in der Tat gelingt irgendwie keinem aus der Familie aus deren schiefen Bahnen auszubrechen. Eine Allgemeingültigkeit dahingehend das ein schlechtes Elternhaus auch die daraus hervorgehenden Kinder unweigerlich „verdirbt“ würde ich dann aber nicht aus dem Film ableiten. Das wäre wohl etwas zu simpel.

Screenshots

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11

Bild 12

Bild 13

 Info
Originaltitel:Chi to hone
Land:Japan
Jahr:2004
Regie:Yoichi Sai
Medium:DVD (I-ON New Media)
Lauflänge:ca. 144 Minuten
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 7.jpg 7/10

Effekte:

 8.jpg 8/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 5162
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-577.htm