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Anne no nikki
Story

Zusammen mit einer anderen jüdischen Familie und einem Arzt versteckt sich die Familie Frank im Hinterhaus einer kleinen Firma in Amsterdam vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten.
Hier können sie sich über 2 Jahre lang erfolgreich verstecken, bis sie von einem Unbekannten verraten und daraufhin verhaftet und in verschiedene Konzentrationslager deportiert werden.
Anne, die jüngste Tochter der Familie Frank, führt in dieser Zeit ein Tagebuch, dass nach ihrer Verhaftung gerettet und nach dem Krieg von ihrem Vater, dem einzigen Überlebenden aus dem Versteck, schließlich veröffentlicht wird.

Meinung

Das „Tagebuch der Anne Frank“ gehört heute wohl zu den bedeutendsten Berichten von Opfern der Judenverfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus, dem neben der Geschichte Oskar Schindler die meiste Medienpräsenz zu Teil wurde.
Das Buch ist, neben „Faust“ oder „Nathan der Weise“, eines der Standartwerke, die in vielen deutschen Schulen gelesen oder zumindest behandelt werden, wohl weil auch gerade die „jugendliche“ Sicht der Autorin auf ihre Welt eine gute Identifikationsmöglichkeit bietet.
Und auch im Medium Film wurde die Geschichte vielfach aufgegriffen und umgesetzt, so auch zweimal im Rahmen des japanischen Zeichentrickfilms – 1979 unter Regie von Eiji Okabe und 1995 unter Regie von Akinori Nagaoka, dessen Version (102 Minuten) 1999 von Julian Wolff für den französischen Markt umgeschnitten (nun noch 88 Minuten) und veröffentlicht wurde.
Im Folgenden soll es aber um die Version von Akinori Nagaoka gehen.
Dieser erzählt in seinem Film die Geschichte der Anne Frank beginnend kurz vor ihrem Einzug ins Versteck, bis zum Tag ihrer Verhaftung, wobei im Vergleich zum Tagebuch einige leichte Veränderungen vorgenommen wurden, um die Geschichte für die Laufzeit eines Films anzupassen.
So wurden die Beziehungen zwischen den einzelnen Personen im Versteck deutlich glatt gebügelt, die kurze Liebesbeziehung zwischen Peter und Anne und deren Konflikte z. B. fast völlig gestrichen und lediglich ersteres in einer Szene angedeutet.
Auch stark bestimmende Faktoren wie die erwachende Sexualität der pubertierenden Anne und der sehr unangenehme Zustand sich in dieser Zeit ein Zimmer mit einem älteren Mann teilen zu müssen kommen kaum zu tragen, während sie im Tagebuch eine entscheidende Rolle spielen.
Hier nimmt der Film eine sichtbar distanziertere Perspektive ein, die nicht der subjektiven Sicht eines Tagebuches entspricht, sondern eher der eines außen stehenden Beobachters.
Dadurch wird die Geschichte für einen Film wohl besser Vermittelbar, sie entfaltet aber auch eine andere Wirkung als das Buch und fällt insgesamt einiges an tiefe und wirkt stellenweise fast etwas zu zahm, wo im Buch die Konflikte in der Wohngemeinschaft ein bestimmendes Thema sind. So wirkt das Zusammenleben der 2 Familien und des zusätzlichen Mannes in dem kleinen Hinterhaus im Film teilweise fast idyllisch und eher wie ein anregendes Abenteuer und nicht wie eine notgedrungene Gefangenschaft zu vieler Menschen auf zu kleinem Raum.
Wo das eigentliche Tagebuch vor allem auch ein Dokument des Erwachsenwerdens eines Mädchens in einer schwierigen Situation war, da ist der Film nur noch Erzählung der greifbareren Ereignisse der Geschichte.
Ob das nun am Ende besser oder schlechter ist, das liegt wohl beim jeweiligen Zuschauer. Für manchen dürfte die Perspektive des Films tatsächlich die ansprechendere seine.

Unabhängig von seiner literarischen Vorlage funktioniert der Film in sich jedenfalls ganz gut. Der Fortgang der Geschichte geschieht mit Ruhe, aber trotzdem ohne Langweile und die Schilderung des Alltags der Versteckten bleibt trotz vorherrschender Monotonie interessant, wobei selbst im Ende mit der Entdeckung und Verhaftung auf große Dramatik verzichtet wird und die Gefassten ihrem Schicksal mit einer unerwarteten Ruhe entgegengehen, ohne Geschrei oder Gejammer, ganz würdevoll und trotzdem sehr bedrückend für den Zuschauer.

Das das Ganze auch optisch eine gute Figur macht, dafür sorgt das renommierte Studio Madhouse, das hier einerseits erfreulich zurückhalten und mit einem eher realistischen (für Animeverhältnisse) Zeichenstil und blassen Farben arbeitet, andererseits aber dennoch qualitativ hochwertige Kost mit schönen Animationen abliefert.

So bleibt mir zum Abschluss nur das Fazit das „Anne no Nikki“ wohl eher eine „Einsteigerversion“ für das „Tagebuch der Anne Frank“ ist und damit aber vielleicht genau das richtige wenn man sich einmal an diese Thematik heranwagen will ohne gleich das Buch zur Hand zu nehmen.
Es ist aber auch eine, für meinen Geschmack, etwas zu glatt gebügelte Version des Originals, das zwar immer noch für Frieden und gegen Verfolgung eintritt, das aber die persönliche Komponente des Buches schmerzlich vermissen lässt, und gerade aus dieser erwächst erst das Bild der Verhältnisse im Hinterhaus, das zeigt in welch grausame Situation ein System Menschen treiben kann, nur weil es blinden/allgemeinen Hass propagiert, Menschen ihre Individualität abspricht und einfach in „die“ und „wir“ aufteilt, festgemacht an unsinnigen Merkmalen die nichts über den Menschen als einzelnen aussagen.

Artikel 3 – Absatz 3 – GG

Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. [...]


Genug gesagt.

Screenshots

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Bild 9

 Info
Originaltitel:Anne no nikki
Lauflänge:ca. 102 Minuten
Jahr:1995
Regie:Akinori Nagaoka
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 4685
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-781.htm