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Abandon the old in Tokyo
Story

Ein erfolgloser Mangaka versucht sich umzuorientieren und findet Erleuchtung auf einer öffentlichen Toilette, während ein junger Arbeiter mit der Pflege seiner alten Mutter hadert, ein Fensterputzer seine Tochter beobachtet, ein junger Maschinenbauer unter Einsamkeit leidet, ein Unternehmer mit dem Konkurs seiner Firma auch seine Selbstachtung verliert, ein Wanderer im abgelegenen Wald von einer entstellten Frau gefangen gehalten wird, ein Angestellter ein traumatisches Kindheitserlebnis nicht vergessen kann und ein Kanalisationsarbeiter von seiner schwangeren Freundin verlassen wird.

Meinung

„Abandon the old in Tokyo“, der zweite Band der Yoshihiro Tatsumi Reihe aus dem amerikanischen Verlag Drawn & Quarterly, nimmt sich, nach dem Start Link 1969, nun also dem Jahr 1970 im Schaffen des Gekiga-Schöpfers an.
Dieses mal sind es im Vergleich zum Vorgänger weniger Geschichten (8 Stück), dafür aber länger, keine 8 Seiten sondern immer etwas über 20. Die Szenarien sind allerdings größten Teils die gleichen geblieben. Noch immer bilden hauptsächlich die schmutzigen Seiten der Großstadt die Bühne auf denen wortkarge Männer seelische Abgründe durchleben.
Manchmal durchaus witzig, wie der Mangaka in der Sinnkriese, der von einer öffentlichen Toilette und den versauten Schmierereien darin besessen eine neue Richtung in seinem Schaffen einschlägt. Mal in regelrechtem Horror, wie der Wanderer der in die Fänge einer, durch zahllose Schönheitsoperationen völlig entstellter, Frau gerät. Meist aber einfach nur beängstigend nüchtern, wie bei dem jungen Mann der genug von der Pflege seiner bettlägerigen Mutter hat oder dem jungen Angestellten der immer wieder in die Kneipe seines Jugendfreundes zurückkehrt, weil er hier als Kind ein traumatisches Erlebnis hatte.
Doch bei all den Gemeinsamkeiten zeichnet die Geschichten auch ein entscheidender Unterschied zum letzten Band aus und das sind ihre meist offenen Enden. Fanden die Geschichten im letzten Band noch einen Abschluss, gipfelten in einem Punkt des Ausbruchs aus den vorangegangenen Leiden, so nehmen die Figuren sie dieses mal über das Ende der Geschichte mit hinaus.
Der Sohn läuft von Gewissenbissen gequält zurück zu seiner Mutter und irrt in den letzten Bildern anschließend mit ihr durch die Straßen, den Mangaka verlassen wir genau in dem Moment wo er auf der Toilette als Perverser beschuldigt wird und der Maschinenbauer stolpert im letzten Panel einarmig durch die Menschenmenge, dann ist abrupt Schluss, wo die Figuren sich im vorangegangenen Band noch mit einem Gewaltakt selbst befreit hätten.
Das macht das Ganze irgendwie noch hoffnungsloser und düsterer. Und auch in seinen Bildern legt Tatsumi noch einmal eines drauf, wenn der pleite gegangene Geschäftsmann auch den letzten Rest Menschlichkeit auf- und sich im Liebespiel einem Hund hingibt oder der Wanderer wortwörtlich im nassen Loch der gerade masturbierenden entstellten Frau gefangenen ist. Reichlich düstere Symbolik, bis hin zum verspeisen eines, doch nur nach besserem Wasser suchenden, Kloakenaals unter Tränen.
Im Stil ist dabei alles beim alten geblieben, einfache Zeichnungen die geprägt sind von einer gewissen Düsternis, allen voran die groben Schraffuren, wo heute wohl hauptsächlich Rasterfolie angesagt wäre. Generell entspricht der Stil wohl nicht mehr dem was der heutige Mangaleser so gewohnt ist. Allerdings passt er in seiner etwas groben Art perfekt zu den Geschichten und Tatsumi zeigt das ein geradezu filmischer Szenenaufbau schon damals Manga auszeichnete.

So ist auch „Abandon the old in Tokyo“ nur jedem Liebhaber von düsteren realistischen Geschichten wärmstens ans Herz zu legen.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Drawn & Quarterly
Zeichnung & Story:Yoshihiro Tatsumi
Jahr:1970

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 4900
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-860.htm