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Barbara
Story

Als erfolgreicher Autor hat Yosuke Mikura immer ein Auge für die Absonderlichkeiten, die ungewöhnlichen Dinge im Großstadt-Leben. So fällt ihm eines Tages am Bahnhof Shinjuku auch eine junge Frau auf, die abseits hinter einem Pfeiler kauert und einen ziemlich abgerissenen Eindruck macht. Um ihr zu helfen begleitet er sie zur Bahnhofsmission, aber da kennt man die trinkfeste Stadtstreicherin schon und setzt sie direkt wieder vor die Tür, also nimmt Yosuke die junge Frau mit zu sich nach Hause und eher er sich versieht wird Barbara zu seiner festen Mitbewohnerin und ständigen Begleiterin, immer auf der Suche nach dem nächsten guten Schluck, aber auch immer wieder zur Stelle wenn es darum geht den Autor vor seinen eigenen, dunklen Seiten und Verfehlungen im Leben zu beschützen.

Meinung

Der Künstler und seine Musen - scheinbar keine einfache Beziehung, wie Osamu Tezuka in diesem Werk erzählt.
Es geht um einen eigentlich schon recht erfolgreichen Künstler, dem hier der göttliche Segen einer Muse (in Form einer streitlustigen Trinkerin) zur Seite gestellt wird. Fortan ist es ihre Aufgabe ihn vor all dem zu beschützen was ihn in seinem künstlerischen Schaffen behindern könnte und da gibt es, wie wir bald feststellen, so einiges.
Angefangen von rein innerlichen Problemen, bis hin zu den Mühlen der Vermarktung des eigenen Produkts und den verschiedensten Ansinnen von falschen Freunden, die sich mit dem Ruhm unweigerlich einstellen.
Das unser Künstler dabei ein Mann in den besten Jahren und seine Muse eine attraktive junge Frau ist gibt dem ganzen, zusammen mit dem gewaltigen charakterlichen Unterscheid zwischen beiden, natürlich noch die besondere Würze.
So nimmt „Barbara“ auch gleich ordentlich Fahrt auf und geht auf in der ständig von Streitereien geprägten Beziehung der beiden Hauptfiguren und in seiner Sezierung des modernen Künstlerlebens in einer vom Verkauf des Produktes Kunst geprägten Zeit.
Grandios dabei z. B. die Geschichte rund um Yosukes erste große Liebe, der er bei einer kleinen Kreuzfahrt hinterher spürt und sie am Ende dann allerdings doch wieder verliert.
Hier erzählt Tezuka mit viel Witz und Ironie quasi auch aus dem eigenen Leben, denn auch er war damals schon ein erfolgreicher und sehr beliebter Künstler der sich gerade in neues Terrain vorwagte.

Leider geht ihm dann aber irgendwann scheinbar ein bisschen die Puste aus und die Geschichte schwenkt etwas in ihrem Grundtenor, weg von bisherigen Künstlerportrait und hin zu einer Art Mysterie-Krimi-Thriller mit Beziehungsdrama rund um eine okkulte Geheimgesellschaft gegen die der arme Autor dann ankämpfen muss um seine (inzwischen) geliebte Barbara zurückzugewinnen.
Eine Wandlung die ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen konnte und die mich im weiteren Storyverlauf dann auch etwas enttäuscht hat. In wie weit das auf Tezukas Vorlage (eine Oper über den Autor E.T.A. Hoffmann) zurückzuführen ist weiß ich nicht, aber an den vielen zusätzlichen Anmerkungen und Erläuterungen rund um Voodoo, Hexerei, usw. sieht man das Tezuka sich damals offenbar auch sehr für dieses Thema interessiert hat und es dementsprechend stark mit einfließen ließ.

Aber auch wenn die Handlung in der zweiten Hälfte der Geschichte andere Wege beschreitet und dadurch doch etwas an Interesse verliert, so bleibt zumindest der visuelle Stil der Geschichte ungebrochen spannend und experimentell. Tezuka mischt seine comichaften Art immer wieder mit sehr surrealistischen Sequenzen, Hintergründe voller im Raum schwebender Augen und wilde Traumsequenzen wie im Fieberwahn wechseln sich ab mit typisch übertriebenem Comichumor wo eine grimassierende Figur einer anderen eine Vase über den Schädel zieht.
Tezuka versucht dabei vor allem die Stimmungen seiner Szenen irgendwie visuell einzufangen, sie es durch Licht- und Schattensetzung, bestimmte Muster in den Hintergründen oder auch die Form und Anordnung der Panels. Besonders letzteres hat sich im Manga heutzutage durchgesetzt und gilt als besonderes Merkmal gegenüber der klassischen westlichen Comicwelt wo noch lange Zeit ein striktes „Rechtecke nebeneinander“ Layout vorherrschte.

So bleibt „Barbara“ trotz Schwächen ein interessante Lektüre, sowohl was Tezukas Wandel hin vom „Kinderautor“ zum anspruchsvollen Erzähler für erwachsene Leser, als auch die, zur damaligen Zeit stattfindende, Entwicklung des Manga, angeht. Und nicht zuletzt natürlich auch wegen seiner Sicht auf das Künstlerleben an sich, dessen lauernde Gefahren Tezuka hier sicherlich auch aus eigener (leidiger?) Erfahrung beschreibt.

Cover

Bild 1

Bild 2

 Info
Verlag:shodoku
Zeichnung & Story:Osamu Tezuka
Jahr:1973

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 4580
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-904.htm