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Das Dorf der acht Grabsteine
Story

Einst, in der kriegerischen Sengoku-Zeit, suchten acht Samurai Zuflucht in einem abgelegenen kleinen Dorf, doch wurden sie von dessen Einwohnern verraten und ermordet. Kurz vor ihrem Tod schwuren sie aber noch Rache für die Heimtücke und belegten das Dorf und seine Vorsteher mit einem Fluch.

Viele Jahrhunderte später kommt der junge Tatsuya in das abgelegene Bergdorf.
Bereits als junges Kind von seiner Familie getrennt, hatte er sich als in der Großstadt durchgeschlagen und ist nun einer der letzten Blutverwandten aus dem engeren Familienkreis der eventuell das umfangreiche Erbe der Familie antreten könnte, doch zeitgleich fallen immer mehr Menschen in seinem näheren Umfeld heimtückschen Giftmorden zum Opfer.

Ist es der Fluch der verratenen Samurai der die Familie ein weiteres Mal einholt? Haben sich raffgierige Verwandte gegen den ungewollten Erben verschworen? Oder treibt einfach nur ein gewiefter Mörder sein Unwesen.

Meinung

Mit „Das Dorf der acht Grabsteine“, nach einem beliebten Roman von Yokomizo Seiji, begibt sich Yoshitaro Nomura eigentlich auf, für ihn, sicheres Gelände, waren Kriminalgeschichten doch eines der immer wieder kehrenden Genres die der traditionelle Studioregisseur Zeit seiner Karriere bediente und in dem er einige seiner größten Erfolge feierte.
Trotzdem war ich doch etwas skeptisch was diesen Film angeht, denn klassische Kriminalfälle nach der „wer war der Mörder“ Art und Übernatürliches gehen meiner Erfahrung nach leider eher selten gut zusammen. Das eine verlangt schließlich brillante Logik und Kombinationsgabe und das andere steht außerhalb von allem was man in unserer Welt erklären kann. Aus diesem Widerspruch sind schon so einige waghalsige Spannungsstücke erwachsen die den Zuschauer erst lange und gespannt mit immer mysteriöseren Ereignissen fesseln und nach Erlösung in Form von Aufklärung lechzen lassen, nur um dann schließlich mit einem an den übernatürlichen Haaren herbeigezogenem Humbug abzuschließen das man sich so richtig schön verarscht fühlt.

Aber na gut, das hier ist Nomura und kein Shyamalan, und wer in Link Dämon so gekonnt Familiendrama und fiesen Psycho und Thriller vermischt hat kriegt hoffentlich auch hier einen guten Spagat hin.
Also, los geht’s mit dem Fluch der toten Samurai.
Mal abgesehen von einer kurzen Einführung in die alte Legende spielen übernatürliche Elemente erst einmal kaum eine Rolle. Die Geschichte entfaltet sich recht gemächlich und nimmt sich die Zeit ihr breites Ensemble an Figuren vorzustellen, das hauptsächlich aus der weitläufigen Familiensippe und anhängenden Personen zuzüglich einiger Dorfbewohner besteht. Während man sich also so nach und nach mit den Figuren vertraut machen kann treten die ersten allerdings auch schon wieder unsanft ab, womit die Mörderhatz eröffnet ist und fürs erste eine breite Palette an möglichen Verdächtigen bereit hält. Und weil der Film für die Lösung dieses Falls großzügige zweieinhalb Stunden Spielzeit mitbringt werden auch gleich noch einige weitere Fragen, u. A. nach der wirklichen Herkunft unseres Protagonisten („Geboren im Drachen-Kiefer?“), aufgeworfen, der Fluch wird in Gestalt einer scheinbar etwas wirren und zerzaust daherkommenden alten Frau mehrfach ins Gedächtnis gerufen (Aufgrund des Alters des Films möchte ich es mir Verkneifen „Klischee“ zu rufen, aber heute wäre die Dame sicher eine Bereicherung für jede Genre-Parodie) und auch eine mögliche Beziehungskiste wird vorbereitet.
Bis all das entsprechend etabliert ist dauert es natürlich eine Weile und zusammen mit den immer wieder eingestreuten Rückblenden, die nach und nach mehr von der Geschichte des Fluchs und der unseres Protagonisten enthüllen sind die ersten zwei Drittel des Films doch ziemlich flott vorbei. Zumal es mitunter auch immer wieder, teils auch unfreiwillig, sehr amüsante Stellen gibt. Ist der Spiel der Darsteller eigentlich meist eher nüchtern, so stechen besonders die Todesszenen mit ihrer doch sehr dramatischen und übertrieben Inszenierung immer wieder heraus. Wenn sich die sterbenden dann wieder und wieder wild röchelnd und betont geschminkt von einer Seite auf die andere werfen dann kann man sich ein leichtes Grinsen schon nicht verkneifen. Hier macht sich das Alter des Films dann schon etwas bemerkbar, aber nicht auf nervige sondern auf charmante Art und Weise.
Ein weiterer Höhepunkt dabei ist dann auf jeden Fall auch die Rückblende auf den Verrat an den acht Samurai, dich nicht nur überraschend blutig erzählt wird, sondern auch das erste Mal wirklich die übernatürlichen Elemente mit in den Film einbringt.

Leider beginnt der Film dann, spätestens mit der Verbannung unseres Protagonisten ins Höhlensystem unter der Stadt, etwas an Fahrt zu verlieren. Der Kreis potentieller Verdächtiger ist bis dahin schon reichlich verkleinert und hat sich auf max. zwei oder drei Figuren begrenzt und viele werden wohl zu diesem Zeitpunkt auch schon eine deutliche Ahnung haben wer der Übeltäter ist. Trotzdem müssen ja alle offenen Fäden nun noch wieder irgendwie zusammengedröselt werden und dafür hat man sich nun für die so ziemlich unglücklichste Variante, nämlich die des überklugen Detektivs entschieden. Der darf dann also uns, dem blöden Zuschauer der das Geheimnis um den Mörder nun auch schon ohne ihn gelöst hat, schön verklickern wie er auf die Lösung des Falles gekommen ist, wobei er natürlich supertolle Erkenntnisse und Indizien aus dem Ärmel schüttelt über die der Film bis dahin kein Wort verloren hat. Und das alles auch noch in gemütlicher Runde mit den Vertretern des Gesetztes und dem übrigen Lynchmob-Dorfpöbel vorm Eingang eben jener Höhle, in der unsere Hauptfigur derweil verzweifelt versucht vor dem Mörder zu fliehen, der sich plötzlich doch noch als eine Art Rachegeist oder zumindest als von einer Art Geist besessen entpuppt.
Wie genau der Mörder es dabei allerdings geschafft hat die Morde zu begehen, das zu erläutern bleibt keine Zeit mehr, denn inzwischen läuft der Fluch zu Hochformen auf und vollendet die Rache der Samurai und wir haben schlussendlich sogar zwei Auflösungen des Falls, eine weltliche rund um Geld und Erbe und die übernatürliche mit dem Wirken von Geistern. Na wenn da nicht für jeden etwas dabei ist.

So hatten wir zum Ende zwar nicht den ganz oben von mir befürchteten „Worst Case“, aber auch kein so wirklich befriedigendes Ende. Irgendwie hat das Schicksal halt alles so eingerenkt das sich der Fluch erfüllt hat egal ob auf weltlichen oder Geister-Wegen.
Nun, trotzdem bleibt „Das Dorf der acht Grabsteine“ ein ganz brauchbarer Film.
Über lange Zeit ist die Geschichte interessant und spannend erzählt, die Inszenierung wirkt heute vielleicht stellenweise etwas unfreiwillig komisch, ist aber trotzdem durchweg gelungen und hat stimmungsvolle Bilder zu bieten.
Ein „muss man gesehen haben“ ist der Film damit zwar nicht, aber für Genre Fans sicher eine gute Wahl und unbestritten ein Klassiker des japanischen Kinos.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Yatsuhaka-mura
Land:Japan
Jahr:1977
Regie:Yoshitaro Nomura
Medium:DVD (polyfilm)
Lauflänge:ca. 145 Minuten
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 3899
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-921.htm